DER FISCHMARKT - ZU TEXT
Auf die Frage nach dem geschichteträchtigsten italienischen Markt antworten wir ohne das geringste Zögern: Rialto! Es ist schwierig zu sagen, wann er tatsächlich entstand, aber Rialto, einst Rivoalto genannt, ist untrennbar mit der Geschichte des berühmtesten Stadtstaats des Mittelmeers verbunden: Venedig. In diesem Kontext aus größter wirtschaftlicher Vitalität und Reichtum gab es "L'Erbaria", den Gemüsemarkt, der von den Gärten der Inseln und von Chioggia versorgt wurde, sowie die "Pescaria" bzw. den Fischmarkt, wohin der in der Lagune oder entlang der Küste gefangene Fisch gebracht wurde.
Fisch wurde überall in Venedig angeboten, da er ein weit verbreitetes und kulturell eng mit der Umgebung verbundenes Lebensmittel darstellte.
Aber der Fang wurde oft bereits von den Fischern selbst an Bord der Fischerboote entlang der Ufer und Kanäle verkauft. Aus diesem Grund werden die Fischhändler bis heute "pescaor", also Fischer genannt. Am Rialto hingegen wurde der Fisch auf Holzbänken gehandelt, die auf Böcken auflagen und wie auf den Fischerbooten mit Markisen geschützt wurden. Ein Erlass des Dogen beschränkte die verkaufbare Höchstmenge jedes einzelnen Händlers. Jeden Tag wurde aber auch aus dem nahen Caorle Fisch zum Rialto gebracht. Eine oder mehrere "carline", Boote mit sechs Ruderpaaren, überquerten täglich in acht Stunden die Kanäle der venetischen Küste und versorgten Venedig mit hochwertigen Fischsorten. Steinbutt, Goldbrassen, Seebarsch, Marmorbrassen und Störe mit guter Qualität landeten so am Rialto. Aus Chioggia kamen "sarde de alba", Sardinen und Makrelen, aber auch Schollen sowie "barboni" und "anzoletti" (Rot- und Seebarben) hinzu. Also viel gewöhnlicher Seefisch, aber nicht nur dieser. Die Bewohner von Chioggia fuhren mit ihren "bragozzi" (kleine Segelboote) und die Einwohner von Pellestrina mit ihren "sampierotte" (typische venezianische Fischerboote) aufs offene Meer hinaus, um dort mit ihren Schleppnetzen, Garnnetzen und ähnlichem zu fischen, was bewies, dass sie nicht nur tüchtige Fischer, sondern auch besonders mutige Seeleute waren. Heute findet man am Rialto einen Einzelhändlermarkt, der noch immer eine gewisse Größe besitzt, sich jedoch nicht mehr mit dem Markt der Vergangenheit vergleichen lässt. Familien und Gastwirte finden hier trotzdem das beste Angebot in Venedig mit einer Vielzahl von hochwertigen Fischarten, was beweist, dass Fischfang immer noch ein mehr als einträgliches Geschäft ist.

Klicken Sie auf das Foto, um "voll" zu sehen >>

Slideshow Image 1
Slideshow Image 2